Pisabesieger

Schlauer als die Polizei erlaubt
 


Archiv: Bildungspolitik

Das Magazin FOCUS-Schule plant, eine Schuldatenbank von Deutschland zu erstellen. Zu diesem Zweck erhielten in einigen Bundesländern Elternvertreter, Schüler und Lehrer Fragebögen, die über den Zustand der Schule Auskunft einholen sollen.

Was FOCUS mit der Datenbank vorhat, ist noch nicht klar. Die GEW, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, brachte das Magazin mit einem Ranking in Verbindung – und handelte sich prompt eine Unterlassungsklage ein. Offensichtlich sind die FOCUS-Macher peinlich darum bemüht, die Schuldatenbank nicht mit dem Wort “Ranking” in Verbindung zu bringen. Von Seiten der GEW wurde aber nicht klein beigegeben, sondern im Gegenteil nur noch lauter protestiert. Eine landesweite Schuldatenbank gehöre nicht in die Hände eines Politmagazins, hieß es da. Jetzt wurde auch von Seiten bayerischer Elternvertreter ein Aufruf gestartet, die FOCUS-Erhebung zu boykottieren.

Es ist ja tatsächlich fraglich: Was will FOCUS mit den Daten, wenn nicht eine neues TOP-500-Story rausbringen? Hat so ein Blatt überhaupt das Recht oder die Expertise, um Schulen zu beurteilen? Hier soll aus den teils katastrophalen Verhältnissen an deutschen Schulen Kapital geschlagen werden.

Die Vision: Hilflose Eltern wenden sich in ihrer Not an FOCUS und finden die Schule, die zu ihrem Kind am Besten passt.

Die Realität, vor allem wenn tatsächlich ein Ranking durchgeführt werden sollte: Die Schule, die am Besten abschneidet, wird hoffnungslos überlaufen.

Wirkliche Verbesserungen für die Kinder werden sich nicht bieten. Einige Schulen werden bevorzugt, andere nicht berücksichtigt. FOCUS wird um ein paar Euro reicher sein, die Bildungslandschaft Deutschland wird Integrität und Seriosität noch mehr als bisher vermissen lasssen.

Deswegen bin auch ich gegen die FOCUS-Datenbank und hoffe inständig, dass von Seiten der Kultusministerkonferenz endlich regulierende Maßnahmen getroffen werden.


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Die neuen Gesetzesänderungen der Hauptstadt und der Hansestadt sehen vor, dass das Sitzenbleiben in deutschen Schulen entfällt. Dabei möchte die Koalition in Berlin sogar die Noten bis zur 8 Klasse abschaffen.

Der Grund, so dieser Artikel, seien erwartete Kosteneinsparungen von bis zu 50 Millionen Euro, die jährlich durch die Sitzenbleiber anfielen.

Bildungspolitik aufgrund von Kosteneinsparungen – das gefällt mir überhaupt nicht. Es ist bisher ziemlich selten der Fall gewesen, dass das Sparen an der Bildung wirklich etwas gebracht hat außer halbgaren Konzepten, denen in der praktischen Umsetzung wichtiges gefehlt hat.

Bringt das Abschaffen von Noten die Kinder wirklich weiter? Ich glaube ehrlich gesagt nicht. Noten sind schon immer ein Ansporn gewesen, vielleicht sollte man die Benotung an sich etwas einfacher gestalten, damit auch schwächere Kinder ein Erfolgserlebnis haben. Und das Abschaffen des Sitzenbleibens? Das gefällt mir spontan schon eher, weil ich es ehrlich gesagt unfair finde, dass ein Schüler für ein schwaches Jahr dermaßen hart bestraft werden kann.

Allgemein gesehen sind Noten und Sitzenbleiben jedoch gewichtige Bestandteile des jetzigen Schulsystems. Meiner Meinung nach zerstören diese Versuche, am System herumzufeilen jegliche noch vorhandene Integrität. Man sollte vielmehr gleich eine Reform des Bildungssystems durchführen, anstatt solche Änderungen vorzunehmen, weil dann wenigstens eine Ganzheit gegeben wäre.

Auf diese Weise zerfällt das Schulsystem in Deutschland immer mehr in Einzelteile, die über kurz oder lang nicht mehr zueinander passen wollen.


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Dieser sehr interessante Artikel erschien am 11.04.2008 im Tagesspiegel. Es geht darin um die Differenz zwischen der Leistung der Kinder an deutschen Grundschulen und dem, was 15jährige nach dem Aufteilungsschritt zum Grundschulende zu leisten im Stande sind.

Bewegt sich Deutschland bei den jüngeren Schülern im europäischen Spitzenbereich, so sackten die Vergleichswerte bei Betrachtung der älteren Schüler schnell in katastrophale Regionen ab. Der Tagesspiegel nennt als Grund das deutsche Schulsystem und Mängel in der Unterrichtsgestaltung. Konkret sei das Schulsystem viel zu differenziert und es sei eine Reform notwendig, die weniger verschiedene Schulen hinterlasse. Außerdem sei innerhalb der einzelnen Schulen eine höhere Differenzierung zwischen “guten” und “schlechten” Schülern notwendig, die dann nicht nach Klassen, sondern nach Leistung unterrichtet werden sollen.

Das deutsche Bildungssystem © wikipedia

Wie ich finde, ist das ein wirklich wichtiger Punkt, was das deutsche Bildungssysstem angeht. Wir haben im Moment eine Grundschule, der die Aufteilung in Sonderschule, Hauptschule, Realschule, Gymnasium oder Gesamtschule folgt. Dabei ist zumindest die Trennung zwischen Haupt- und Realschule meiner Meinung nach vollkommen sinnfrei.

Wer heutzutage Hauptschüler ist, kann sich die Aussichten auf eine Ausbildung schenken und wird meistens von vollkommen überforderten Lehrkräften unterrichtet. Das Gymnasium ist in seiner früheren Exklusivität so schon lange nicht mehr vorhanden. Wo leere Klassenzimmer zunehmend Realität werden, ist eine Zusammenlegung außerdem ökonomisch sinnvoll.

Eine Zusammenlegung der einzelnen Schulen ist nur auf den ersten Blick unmöglich. Würde nämlich auf den Schulen nach Leistung unterrichtet, und so nicht dem überkommenen Hierarchie-Gedanken (“du lernst wenig, dir bringen wir nichts bei!”) gefröhnt, dann würde nicht eine Hälfte der deutschen Jugend bei der Schulbildung unter den Tisch fallen. Gleichzeitig wäre ein Exzellenz-Unterricht mit Hochbegabten möglich.

Damit das so durchführbar wäre, müsste man den Lehrern, die sich mit anstrengenden Schülern auseinandersetzen, genausoviel oder sogar mehr bezahlen. Wer will denn im Moment mit den Kindern arbeiten, die Mathe nicht sofort verstehen, aber gleichzeitig rotzfrech sind? Ohne Anreize wird das nichts. Außerdem wären Fortbildungsprogramme für die existierende Lehrerschaft notwendig, weil die teilweise nicht mal mehr ungenügende Qualifikationen im Umgang mit Jugendlichen aufweist.

Klar, dass die Politik diese Ausgaben und den damit verbundenen Trubel scheut, lieber wird weiterhin in alten Bahnen vor sich hingepaukt, ohne dass irgendwelche Verbesserungen in Sicht wären.


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Klassenraum flickr©LizMarie

Natürlich könnte man bei neutraler Betrachtung des Wirtschaftsberichtes der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) die positiven Ergebnisse wie den wirtschaftlichen Aufschwung in den Vordergrund stellen, allerdings hätte diese Nachricht dann keinen Platz auf diesem Bildungsblog gefunden. Viel interessanter und ein schon lang von uns kritischer Aspekt des Wirtschaftsberichtes ist die Einstufung des deutschen Bildungssystems.

“Es bedarf weiterer Bildungsreformen, um Bildungserträge und Bildungsniveaus anzuheben und den Effekt des sozioökonomischen Hintergrunds auf die Bildungsergebnisse zu verringern”, heißt es in dem Bericht. Heißt letztendlich für Deutschland, wenn man den wirtschaftlichen Aufschwung am Leben erhalten, bedarf es einer umfassenden Reform des Bildungssystems. Im Fokus der Kritik steht das dreigleisige Schulsystem mit Haupt- und Gesamtschule sowie Gymnasium. Zudem äußerste man sich kritisch über die mangelnde Qualität der Lehrkörper und die wenig vorhandenen frühkindlichen Bildungsmöglichkeiten. In der Summe daraus wird Deutschland in naher Zukunft über einen Mangel an Fachkräften verfügen, bestimmte Schlüsselpositionen können nicht besetzt werden, was wiederum zu einer Schwächung der Wirtschaftskraft führt.

Die OECD hat im Rahmen des Wirtschaftsberichtes einen 15 Punkte-Plan erarbeitet, der Deutschland bei den Reformen unterstützen soll. Unter anderem ist eine Empfehlung ausgesprochen worden, Kinder nicht schon im Alter von zehn Jahren auf unterschiedlichen Schulformen zu schicken, um eine nachhaltige Entwicklung von Kindern nicht behindern.


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Deutschland leidet seit einiger Zeit unter einem neuen Phänomen: Dem Turbo-Abi. Dabei wurde die Abiturzeit auf 8 Jahre gekürzt. Das G8 oder „Turbo- Abi“- Konzept klang in der Theorie auch durchaus plausibel.

Da die Ausbildungszeiten immer länger werden, macht es Sinn, die Gymnasialzeit um ein Jahr zu verkürzen. Kombiniert mit einem entrümpelten Schulsystem, in dem bestimmte Lehrinhalte wegfielen oder gekürzt würden, bliebe den Abiturienten ein Jahr mehr Zeit, sich die Weichen für den weiteren Lebensweg zu stellen.

Natürlich stellt sich beim Thema „Entrümpelung“ die wichtige Frage: Wie soll man den Lehrplan straffen? Vor dieser Frage hat sich die Kultusministerkonferenz schlichtweg gedrückt. Gestrafft wurde überhaupt nichts, der Lehrplan mit allen bisher vorhandenen Inhalten einfach in 8 statt bisher 9 Jahre gequetscht. Schüler, Eltern und Lehrer beklagen einstimmig die harten Schulbedingungen, es ist die Rede von 50-Stunden-Wochen für Schüler, die neben den vorgeschriebenen Unterrichtsstunden noch Hausaufgaben absolvieren. Ein Schulleiter plant sogar ein kollektives Sitzenbleiben, um auf die Problematik aufmerksam zu machen.

Es ist eine Schande, dass sich da niemand gewehrt hat, sondern im Zeichen des Fortschrittes und aus Angst vor der neuen Pisastudie blind reformiert wurde. Ja, hinterher ist man immer schlauer. Aber man fragt sich doch, warum den Reformern die simple Rechnung „Mehr Stoff, weniger Zeit, zuviel Stress für die Kinder?“ nicht in den Sinn gekommen ist? Hier sind offensichtlich aus Angst vor Konflikten beide Augen zugedrückt worden, die Umsetzung des Konzeptes verdient in keinem Fall Bestnoten.

Zwar sieht das die Kultusministerkonferenz jetzt ebenfalls ein, es wird an vielen Stellen nachreformiert – eine Verbesserung der Lage für die Schüler ist trotzdem nicht in Sicht.


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Realität leere Klassenzimmer

Autor: Carsten
abgelegt in: Bildungspolitik

leere Klassenzimmer ©dcJohn

Deutschlands Schulen sehen sich momentan ein schweren Situation ausgesetzt, mit der sie seit 1992 nicht mehr konfrontiert wurden – es gehen ihnen die Schüler aus. An den deutschen Schulen folgten nur noch 9,2 Millionen Schüler dem Unterricht, dies bedeutet einen Rückgang von 1,7 Prozent und 157.000 Schüler.

Zunächst klingt die Zahl von 9,2 Millionen nicht sonderlich Besorgnis erregend, schließlich leben in ganz Schweden gerade einmal so viele Menschen, aber für Deutschland hingegen ist dies eher eine negative Entwicklung, die vor allem auf die geburtenschwachen Jahrgänge zurückzuführen sind, die jetzt eingeschult wurden. Im Osten ist diese Entwicklung wesentlich ausgeprägter als im Westen des Landes, dafür gehen Experten aber davon aus, dass sich dieser Trend im Osten bereits im Jahr 2009 wieder umkehren wird, im Westen ist dies vermutlich erst im Jahr 2020 der Fall.

In allen ostdeutschen Bundesländern zusammen sank die Schülerzahl im vergangenen Jahr um rasante 4,4 Prozent, im Westen um 1,2 Prozent. Einfluss auf diese hohe Zahl hat aber auch die Einführung des „Turbo-Abiturs“, womit gleich eine große Anzahl der Schüler die Schulen verließen.

Eine besondere Entwicklung lässt sich auch bei den Schultypen beobachten, so werden Gymnasien verstärkt besucht, Hauptschulen hingegen weniger. Auch bei der Zusammensetzung der Klassen hat es Veränderungen gegeben, so liegt der Jungen-Anteil auf Gymnasien nur noch bei 46,7 Prozent, während er bei Hauptschulen teilweise über 60 Prozent angesiedelt ist.


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Wachstum, Innovation und Konkurrenzfähigkeit für die Wirtschaft ermöglichen – selbstbewusste, mündige und kritische Bürger für die Demokratie erziehen – Ziele der Bildung und damit auch der Bildungspolitik sind zahlreich. Doch wer bestimmt die Bildungspolitik, wer ist verantwortlich für Pisa und Bildungsarmut?

In der aktuellen politischen Diskussion wurde gerade auf Seiten der CDU der Ruf laut mehr Verantwortung für die Bildung an den Bund zu geben und gleichsam eine engere Zusammenarbeit von Bund und Ländern zu beginnen. Aber vieviel Einfluss hat eigentlich der Bund? Was bestimmen die Länder und warum?

Die Bundesrepublik Deutschland ist im Gegensatz zu zentralistischen Staaten wie Frankreich ein föderalistischer Staat. Die Bundesländer sind autonom und nur zum Bund zusammengefasst. Ihnen obliegt nach Artikel 30 des Grundgesetzes auch die Erfüllung der staatlichen Aufgaben solange es keine weitere Regelung gibt. Im Bereich der Bildung gibt es zusätzlich noch den Begriff der Kulturhoheit, der den Ländern die primäre Zuständigkeit im Bereich von Bildung und Kultur zuschreibt.

Der Bund hat rein rechtlich gesehen überhaupt keinen Einfluss. Er kann lediglich Empfehlungen aussprechen. Eine tatsächliche Mitbestimmung der Bundesregierung könnte also nur über eine Vervassungsänderung erreicht werden. In der Kultusministerkonferenz versuchen die jeweils zuständigen Landesminister die Koordiniereung der Bildungspolitik. Dennoch sind die unterschiede in der Bildung so hoch, dass der UN-Beauftragte Vernor Munoz im Februar 2006 scharfe Kritik in Bezug auf die Chancengleichheit übte. Besondeers die Abhängigkeit der Bildungsqualität von der finanziellen lage des jeweiligen Bundeslandes besorgte Munoz.


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In immer mehr Bundesländern gehören die Kopfnoten neuerdings wieder zu den vergebenen Noten auf dem Zeugnis. Auf der einen Seite sollen sie der Beurteilung des Arbeits- und Sozialverhaltens der Schüler dienen, auf der anderen Seite brandmarken sie den Schüler auf Jahre und mindern später seine Chancen in der Berufswelt.

Die Zweckmäßigkeit der der Kopfnoten ist vielerorts umstritten. Einerseits argumentiert man, dass es gerade in einer Zeit, wo es um Jugendgewalt und mangelnden Sozialverhaltens der Jugend geht, genau richtig sei, den Schüler nach seinem Verhalten zu beurteilen. Auf diese Weise können auch die Eltern ein Feedback aus der Schule erhalten und möglicherweise korrigierend eingreifen, wenn das Kind aus dem Ruder laufen sollte. Da sich aber das Bewertungssystem nicht auf die allseits aus der DDR bekannten Kriterien Ordnung, Mitarbeit, Fließ und Betragen beschränkt, sondern sich in Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit, Selbstständigkeit, Verantwortungsbereitschaft, Konfliktverhalten und Kooperationsfähigkeit unterteilt, entsteht zunächst ein hoher bürokratischer Aufwand für den Klassenlehrer, der sich aus allen unterrichteten Fächern eine Einschätzung holen muss. Zudem sind sich die Kategorien thematisch sehr nahe, weshalb man sich kein gesamtheitliches Bild machen kann. Im Gegenteil, meistens ist so, wenn ein Schüler schlecht beurteilt wird, trifft dies fast auf alle Kriterien zu.

Da die Noten zudem ein Leben lang Bestand haben, wird der Schüler bei späteren Bewerbungen aufgrund seines Verhaltens in der vierten Klasse beurteilt. Da sich Menschen im Laufe ihres Lebens aber verändern, kann dies keine gute Grundlage sein. Im Allgemeinen müsste man eigentlich sagen, dass es zwar Kopfnoten geben sollte, aber zeitlich begrenzt und auf dem System aus DDR-Zeiten beruhend, da dort eine viel bessere Einschätzung möglich ist. Möglicherweise kann man dann auch gezielt auf Schüler mit schlechten Kopfnoten zugehen und spätere „Konfliktkandidaten“ frühzeitig „therapieren“.


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Klassenraum - Vorbild China? flickr©peigianlong

Das durch die PISA-Studien in die Kritik geratene deutsche Bildungssystem soll mit rasanten Reformen wieder auf ein höheres Niveau gebracht. Die Kultusminister der Länder haben deshalb beschlossen, das Abitur bereits nach zwölf Schuljahren zu vergeben.

Hintergrund der neuen zeitlichen Begrenzung ist das hohe Eintrittsalter der Studenten und Auszubildenden im internationalen Vergleich. In anderen Ländern Europas sind Jugendliche wesentlich schneller für die Berufswelt gerüstet und leisten einen aktiven Beitrag zur Wirtschaft des Landes. Die Reform sieht vor, dass nach einer vierjährigen Grundschulzeit der Übertritt in die neue Schulform geschehen soll. Dadurch muss der gesamte Lehrstoff für das Abitur statt wie bisher in neun nun in acht Jahren vermittelt werden. Die Stundenanzahl erhöht sich auf dem Gymnasium durchschnittlich auf 35 Stunden. Nimmt man noch das Lernen und die Hausaufgaben hinzu, muss sich ein Schüler rund 45 bis 50 Stunden wöchentlich mit dem Lehrstoff auseinandersetzen.

Neben der erhöhten Drucksituation schwindet auch die Freizeit der kommenden Bildungselite in Deutschland. Dabei benötigen gerade junge Menschen einen alternativen Ausgleich zur Schule in Form von Sport und gemeinsamen Aktivitäten. Wie bereits Wissenschaftler nachgewiesen haben, tragen Sport oder Arbeitsgemeinschaften jeder Art dazu bei, dass sich das Kind in einer Gemeinschaft integrieren kann, dass es soziale Kontakte und Hilfestellungen im alltäglichen Umgang erhält. Sind diese Freizeitaktivitäten nicht vorhanden, hat der Schüler vielleicht den Lehrstoff vermittelt bekommen, kann in aber im Studium oder in Ausbildung nicht zur Anwendung bringen, weil er isoliert von der Gruppe agiert.

Bei der Reform wurde es weiterhin versäumt die ohnehin schon aufgeblähten Lehrpläne zu sondieren und auf ihre Inhalte zu prüfen. Zwar hatte Bildungsministerin Anette Schavan (CDU) angekündigt, auf keine notwendigen Lehrinhalte zu verzichten, aber eine Anpassung des Lehrstoffes ist notwendig, um den Schüler eine umfassende Bildung zu ermöglichen. Die Fächervielfalt in den unteren Klassen führt außerdem dazu, dass Schüler täglich kiloweise Bücher transportieren müssen. Eine Interessensorientierung oder eine Spezifizierung der Schulen kann den Schüler eine bessere Orientierung bieten, Schwerpunkte setzen ohne die Gesamtheit aus den Augen zu verlieren. Bei der Reform wurde wieder einmal das Pferd von hinten gezäumt und nicht die eigentliche Problematik angegangen.


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Thema: Respekt und DialogWie sich anhand der letzten PISA-Studien feststellen ließ, haben die skandinavischen Länder einen erheblichen Vorsprung vor den deutschen Schülern. Im Fach Mathematik beträgt der Vorsprung ungefähr eineinhalb Lehrjahre – eine enorm große Zahl! Für die Unterschiede gibt es ganz unterschiedliche Ansätze wie der Respekt gegenüber den Lehrkörpern, die Förderung der Individualität sowie der Bildungspolitik. Die Aspekte möchte ich in mehreren Artikeln näher beleuchten.

Die Frage für die deutsche Bildungspolitik ist, ob man sich an den skandinavischen Bildungswegen orientieren kann? Lässt sich das Erfolgsprinzip, welches die skandinavischen Länder praktizieren, eins zu eins auf das deutsche Bildungssystem übertragen? Das Bildungssystem in Skandinavien basiert auf dem Prinzip der Einheitsschule und dem ständigen Dialog zwischen Schüler, Eltern und dem Lehrerkolleg. Dafür müsste man das Bildungssystem in Deutschland völlig neu organisieren und einen einheitlichen Status durchsetzen.

In Skandinavien hat sich die Schule ein zentrales Organ der Kindheit und Jugend durchgesetzt, während in Deutschland die Schule lediglich die Vormittagsstunden ausfüllt. Individualität und Respekt sind die obersten Bildungsziele in Schweden, Finnland, Norwegen und Dänemark. Im Gegensatz zu Deutschland fungieren Lehrer als Vorbilder und ihnen wird von den Schülern Respekt entgegen gebracht. Durch die Position des Lehrers, die vor allem durch das Elternhaus gestärkt und gefördert wird, gelingt es den Lehrkörpern besser auf die einzelnen Schüler einzugehen. Der Respekt der Schüler ermöglicht den Lehrern einen viel besseren Zugang zum Einzelnen und in Problemfällen kann er auf die Unterstützung der Eltern zurückgreifen.

Die Vorstellung des ständigen Dialoges aller Bildungsparteien ist in Deutschland eine Utopie. Hier existieren Elternhaus und Schule nebeneinander – Eltern sprechen sich häufig von der Lehraufgabe frei und Lehrer scheitern am Anspruch, der Individualität der Schüler gerecht zu werden, kein Wunder angesichts der Tatsache, dass Lehrer hier sogar um ihre Sicherheit fürchten müssen. Migrantenkinder, deren Eltern die Sprache des Landes nicht beherrschen, gibt es in Skandinavien nicht. Möchte man gern länger dort Verweilen, ist das Erlernen der Landessprache Pflicht – somit werden die Migrantenkinder sofort in die neue Sprache eingebunden. In Deutschland hingegen wird Zuhause nur die eigene Sprache gesprochen, dass Kind kann sich in seinem persönlichen Freiraum, der mindesten ¾ des Tages beträgt, sprachlich nicht weiter entwickeln. Damit entstehen die erste Ausgrenzung und die erste Rückständigkeit.

Statt sich auf diesem Gebiet weiter zu entwickeln, sieht sich Deutschland inzwischen einer neuen Gewaltdebatte bei Jugendlichen gegenüber. Respekt ist ein wichtigster Ansatz und sollte höchste Priorität auf dem Bildungssektor besitzen.


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