Pisabesieger

Schlauer als die Polizei erlaubt
 


Klassenraum - Vorbild China? flickr©peigianlong

Das durch die PISA-Studien in die Kritik geratene deutsche Bildungssystem soll mit rasanten Reformen wieder auf ein höheres Niveau gebracht. Die Kultusminister der Länder haben deshalb beschlossen, das Abitur bereits nach zwölf Schuljahren zu vergeben.

Hintergrund der neuen zeitlichen Begrenzung ist das hohe Eintrittsalter der Studenten und Auszubildenden im internationalen Vergleich. In anderen Ländern Europas sind Jugendliche wesentlich schneller für die Berufswelt gerüstet und leisten einen aktiven Beitrag zur Wirtschaft des Landes. Die Reform sieht vor, dass nach einer vierjährigen Grundschulzeit der Übertritt in die neue Schulform geschehen soll. Dadurch muss der gesamte Lehrstoff für das Abitur statt wie bisher in neun nun in acht Jahren vermittelt werden. Die Stundenanzahl erhöht sich auf dem Gymnasium durchschnittlich auf 35 Stunden. Nimmt man noch das Lernen und die Hausaufgaben hinzu, muss sich ein Schüler rund 45 bis 50 Stunden wöchentlich mit dem Lehrstoff auseinandersetzen.

Neben der erhöhten Drucksituation schwindet auch die Freizeit der kommenden Bildungselite in Deutschland. Dabei benötigen gerade junge Menschen einen alternativen Ausgleich zur Schule in Form von Sport und gemeinsamen Aktivitäten. Wie bereits Wissenschaftler nachgewiesen haben, tragen Sport oder Arbeitsgemeinschaften jeder Art dazu bei, dass sich das Kind in einer Gemeinschaft integrieren kann, dass es soziale Kontakte und Hilfestellungen im alltäglichen Umgang erhält. Sind diese Freizeitaktivitäten nicht vorhanden, hat der Schüler vielleicht den Lehrstoff vermittelt bekommen, kann in aber im Studium oder in Ausbildung nicht zur Anwendung bringen, weil er isoliert von der Gruppe agiert.

Bei der Reform wurde es weiterhin versäumt die ohnehin schon aufgeblähten Lehrpläne zu sondieren und auf ihre Inhalte zu prüfen. Zwar hatte Bildungsministerin Anette Schavan (CDU) angekündigt, auf keine notwendigen Lehrinhalte zu verzichten, aber eine Anpassung des Lehrstoffes ist notwendig, um den Schüler eine umfassende Bildung zu ermöglichen. Die Fächervielfalt in den unteren Klassen führt außerdem dazu, dass Schüler täglich kiloweise Bücher transportieren müssen. Eine Interessensorientierung oder eine Spezifizierung der Schulen kann den Schüler eine bessere Orientierung bieten, Schwerpunkte setzen ohne die Gesamtheit aus den Augen zu verlieren. Bei der Reform wurde wieder einmal das Pferd von hinten gezäumt und nicht die eigentliche Problematik angegangen.


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Lehrerbenotung

abgelegt in: Schule

Im zurückliegenden Beitrag auf dieser Seite ging es unter anderem um die Dialogbereitschaft der deutschen Lehrer. Wie sich jetzt anhand eines schon länger andauernden Rechtsstreites ersehen lässt, sind einzelne Lehrkörper nicht bereit, auf neue Dialogformen einzugehen.Eine Lehrerin hatte gegen die Internetplattform „Spick mich“ geklagt, weil sie in der Benotung der eigenen Person und Arbeit durch Schüler eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte sieht. Auf der Internetseite haben Schüler die Möglichkeit, die Lehrer entsprechend ihrer Unterrichtsgestaltung und ihres Auftretens zu benoten. Da dies auf einer sachlichen Basis funktioniert, die zum Teil mit sehr schlüssigen Argumenten belegt wird, ist die Klage der Lehrerin aus meinen Augen kaum nachvollziehbar. Das sie aber auf die Kritiken an ihrer Person reagiert haben muss wird anhand der Tatsache sichtbar, dass sie ihre Durchschnittsbenotung von 4,3 auf 2,9 steigern konnte.

Natürlich unterliegt die Plattform ähnlich wie andere Bewertungsportale einer gewissen Manipulation, wo sich Lehrer gegenseitig bessere Noten geben, aber dank einer immer größeren Schar von benotenden Schüler verliert dieser Faktor zusehends an Aussagekraft. Erstaunlich ist ebenfalls die Gesamtdurchschnittsnote von 2,7 – die doch von einer gewissen Sympathie zeugt. Ich persönlich hätte gedacht, dass die Note um mindestens 1 bis 1,5 Notenpunkte niedriger liegt.

Fakt ist aber, man könnte eine solche Plattform, wenn sie sinnvoll und seriös geführt wird, sehr gut zur Kommunikation nutzen. Der Lehrer erhält ein Feedback für seine Arbeit und kann gegebenenfalls auf die einzelne Kritikpunkte eingehen. Dem Schüler bleibt ein klärendes Gespräch beim Lehrer erspart und muss sich zudem nicht zu erkennen geben. Durch die Themenvielfalt auf dieser Seite ist zudem eine Kommunikationsplattform ähnlich wie Studivz oder Schülervz entstanden, wo sich Schüler gegenseitig helfen, Erfahrungen austauschen und sich über interessante Themen unterhalten können.

Kein schlechter Anfang für das Dialogisieren im Zeitalter des Internets.


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Thema: Respekt und DialogWie sich anhand der letzten PISA-Studien feststellen ließ, haben die skandinavischen Länder einen erheblichen Vorsprung vor den deutschen Schülern. Im Fach Mathematik beträgt der Vorsprung ungefähr eineinhalb Lehrjahre – eine enorm große Zahl! Für die Unterschiede gibt es ganz unterschiedliche Ansätze wie der Respekt gegenüber den Lehrkörpern, die Förderung der Individualität sowie der Bildungspolitik. Die Aspekte möchte ich in mehreren Artikeln näher beleuchten.

Die Frage für die deutsche Bildungspolitik ist, ob man sich an den skandinavischen Bildungswegen orientieren kann? Lässt sich das Erfolgsprinzip, welches die skandinavischen Länder praktizieren, eins zu eins auf das deutsche Bildungssystem übertragen? Das Bildungssystem in Skandinavien basiert auf dem Prinzip der Einheitsschule und dem ständigen Dialog zwischen Schüler, Eltern und dem Lehrerkolleg. Dafür müsste man das Bildungssystem in Deutschland völlig neu organisieren und einen einheitlichen Status durchsetzen.

In Skandinavien hat sich die Schule ein zentrales Organ der Kindheit und Jugend durchgesetzt, während in Deutschland die Schule lediglich die Vormittagsstunden ausfüllt. Individualität und Respekt sind die obersten Bildungsziele in Schweden, Finnland, Norwegen und Dänemark. Im Gegensatz zu Deutschland fungieren Lehrer als Vorbilder und ihnen wird von den Schülern Respekt entgegen gebracht. Durch die Position des Lehrers, die vor allem durch das Elternhaus gestärkt und gefördert wird, gelingt es den Lehrkörpern besser auf die einzelnen Schüler einzugehen. Der Respekt der Schüler ermöglicht den Lehrern einen viel besseren Zugang zum Einzelnen und in Problemfällen kann er auf die Unterstützung der Eltern zurückgreifen.

Die Vorstellung des ständigen Dialoges aller Bildungsparteien ist in Deutschland eine Utopie. Hier existieren Elternhaus und Schule nebeneinander – Eltern sprechen sich häufig von der Lehraufgabe frei und Lehrer scheitern am Anspruch, der Individualität der Schüler gerecht zu werden, kein Wunder angesichts der Tatsache, dass Lehrer hier sogar um ihre Sicherheit fürchten müssen. Migrantenkinder, deren Eltern die Sprache des Landes nicht beherrschen, gibt es in Skandinavien nicht. Möchte man gern länger dort Verweilen, ist das Erlernen der Landessprache Pflicht – somit werden die Migrantenkinder sofort in die neue Sprache eingebunden. In Deutschland hingegen wird Zuhause nur die eigene Sprache gesprochen, dass Kind kann sich in seinem persönlichen Freiraum, der mindesten ¾ des Tages beträgt, sprachlich nicht weiter entwickeln. Damit entstehen die erste Ausgrenzung und die erste Rückständigkeit.

Statt sich auf diesem Gebiet weiter zu entwickeln, sieht sich Deutschland inzwischen einer neuen Gewaltdebatte bei Jugendlichen gegenüber. Respekt ist ein wichtigster Ansatz und sollte höchste Priorität auf dem Bildungssektor besitzen.


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Ein schier endloser Streit entzündet sich im Rahmen der Bildungspolitik in Deutschland an der Diskussion um die richtige Schulform. Wie die Pisa-Studien der vergangenen Jahre bereits belegt haben, gelingt es in Deutschland wesentlich schlechter, alle Bevölkerungsschichten sinnvoll in die vorhandene Bildung einzufügen.Laut Statistiken schafft es nur ein Kind von Zwölf der Arbeiterklasse ein Hochschulstudium abzuschließen. Dem in Deutschland existierenden Bildungssystem wird angelastet, junge Menschen der unteren Klassen frühzeitig zu selektieren und zudem Migrantenkinder vollkommen außen vor zu lassen. Bildungsgerechtigkeit sei angesichts der drei Schulformen Gymnasium, Realschule und Hauptschule nicht gegeben, zu früh werden Kinder in das Umfeld eines dieser Schulformen gegeben, ohne ihre perspektivische Entwicklung abzuwarten. Wissenschaftlich sei es an einzelnen Beispielen durchaus belegt, dass Kinder auch nach der sechsten Klasse ein erheblicher Leistungssprung zuzutrauen ist.

Eben diese Debatte entzündete sich schon in den 70er Jahren, wo mit der Einführung der Gesamtschulen als Brücke zwischen den Schulformen das eigentliche Problem behoben werden sollte. Laut anerkannter Bildungswissenschaftler scheitern die Gesamtschulen aber bereits an ihren Ansprüchen und ihrer Wertigkeit. Das Abitur an Gymnasien wird von Firmen und der Gesellschaft wesentlich höher bewertet als eines, das an einer Gesamtschule erworben wurde. Mit dem Einheitsabitur soll aber auch diese Ungleichheit aus der Welt geschafft werden.

Entscheidend für den Bildungsabschluss der Kinder ist vor allem das Elternhaus. Besteht dort die Möglichkeit, auf Wissensressourcen zurückzugreifen, die dem Kind helfen können und sind die Familien in Lage den Bildungsweg zu fördern, gelingt auch ein höherer Abschluss. Die Risikobereitschaft sowie die begrenzten finanziellen Mittel der unteren Klassen sowie Migrantenfamilien reichen aber in der Regel nicht aus, um den langen Bildungsweg des Kindes zu unterstützen. Am Ende muss einfach die Förderung begabter Kinder stehen, das Erkennen von Potenzialen ermöglicht eine wesentliche Verbesserung beim Thema Bildungsgerechtigkeit.


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Für Eltern stellt sich gerade in den jungen Jahren der Kinder die Frage, welche Schulform am geeignetsten wäre, um die ideale Bildung des Kindes zu ermöglichen. In Deutschland existieren dabei ganz unterschiedliche Formate mit erheblich ungleichen Ansätzen.

Das Image der Waldorf-Schule ist inzwischen vollkommen verstaubt und erzeugt bei vielen Menschen noch immer das Bild vom zurückgebliebenen Naturmenschen. Wesentliches Merkmal der Waldorf-Schule ist die Entwicklung des Menschen anstatt bloßer Wissensvermittlung. Dabei wird auf ein Notensystem, auf Lehrbücher sowie das Sitzenbleiben verzichtet, stattdessen werden die Schüler über einen längeren Entwicklungszeitraum von einer Bezugsperson begleitet. Neben den intellektuellen Ansprüchen sollen auch handwerkliche und künstlichere Talente gefördert werden.

Die Kosten richten sich nach dem Einkommen der Eltern, die dadurch auch erheblichen Einfluss auf die Bildung besitzen. Die meisten Waldorf-Schulen sind aus Eltern-Initiativen entstanden, die mit der klassischen Schulbildung unzufrieden waren, weshalb die Organisation in den Händen eines Lehrer- und Elternkollegium gelegt wird.

Durch Vorgaben der jeweiligen Bundesländer kann ein jeder Schulabschluss auf der Waldorf-Schule abgelegt werden. Nachteil der Schule ist aber das Studium im Anschluss an die Schulzeit, weil dort auf das Wissen der regulären Schulzeit zurückgegriffen wird, welches aber nur in Teilen an den Waldorf-Schulen vermittelt wird.

Die Philosophie der Waldorf-Schule beruht auf den Anthroposophen Rudolf Steiner, der die erste Waldorf-Schule im Jahr 1919 in der Nähe von Stuttgart eröffnete und den allseits üblichen Effizienzdruck, Konsumdiktat und Medienpenetranz entgegen wirken wollte. Der hier ausgebildete Mensch soll ein wohl tuender Gegenentwurf zur existierenden Gesellschaft bilden.


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