Deutschland leidet seit einiger Zeit unter einem neuen Phänomen: Dem Turbo-Abi. Dabei wurde die Abiturzeit auf 8 Jahre gekürzt. Das G8 oder „Turbo- Abi“- Konzept klang in der Theorie auch durchaus plausibel.
Da die Ausbildungszeiten immer länger werden, macht es Sinn, die Gymnasialzeit um ein Jahr zu verkürzen. Kombiniert mit einem entrümpelten Schulsystem, in dem bestimmte Lehrinhalte wegfielen oder gekürzt würden, bliebe den Abiturienten ein Jahr mehr Zeit, sich die Weichen für den weiteren Lebensweg zu stellen.
Natürlich stellt sich beim Thema „Entrümpelung“ die wichtige Frage: Wie soll man den Lehrplan straffen? Vor dieser Frage hat sich die Kultusministerkonferenz schlichtweg gedrückt. Gestrafft wurde überhaupt nichts, der Lehrplan mit allen bisher vorhandenen Inhalten einfach in 8 statt bisher 9 Jahre gequetscht. Schüler, Eltern und Lehrer beklagen einstimmig die harten Schulbedingungen, es ist die Rede von 50-Stunden-Wochen für Schüler, die neben den vorgeschriebenen Unterrichtsstunden noch Hausaufgaben absolvieren. Ein Schulleiter plant sogar ein kollektives Sitzenbleiben, um auf die Problematik aufmerksam zu machen.
Es ist eine Schande, dass sich da niemand gewehrt hat, sondern im Zeichen des Fortschrittes und aus Angst vor der neuen Pisastudie blind reformiert wurde. Ja, hinterher ist man immer schlauer. Aber man fragt sich doch, warum den Reformern die simple Rechnung „Mehr Stoff, weniger Zeit, zuviel Stress für die Kinder?“ nicht in den Sinn gekommen ist? Hier sind offensichtlich aus Angst vor Konflikten beide Augen zugedrückt worden, die Umsetzung des Konzeptes verdient in keinem Fall Bestnoten.
Zwar sieht das die Kultusministerkonferenz jetzt ebenfalls ein, es wird an vielen Stellen nachreformiert – eine Verbesserung der Lage für die Schüler ist trotzdem nicht in Sicht.
In der gymnasialen Oberstufe, sprich in den Klassen 11-13, dürfen Schüler sogenannte Facharbeiten verfassen. Facharbeiten werden nur akzeptiert, wenn sie mindestens ein “Ausreichend” erhalten – die entsprechende Punktzahl wird dann, multipliziert mit Vier, auf die Punktzahl der Abiturnote angerechnet. Kurz gesagt: Selbst wenn Du einen Schnitt von
3,7 hast, kann eine Facharbeit Dir helfen, da statt der Note die Punktzahl zählt – und damit kannst Du nur gewinnen. Ehrlich gesagt, hilft eine Facharbeit sogar bei einem 3er-Schnitt mehr, als bei einem 1er-Schnitt: Im letzteren Fall kann sie die Abi-Note – theoretisch – um etwa 0,2 Punkte verändern, im ersteren Fall ist mehr drin.
Der Aufwand lohnt sich also allemal.
Wer sich einmal durchgerungen hat, zu schreiben, steht vor der Qual der Wahl: Welches Thema? Welches Fach? Grundsätzlich sollten Facharbeiten nur im Bereich der Leistungskurse geschrieben werden, aber der kann ziemlich weit ausgelegt werden. Die Sprachen- und Sozialwissenschaften überschneiden sich ebenso oft wie Physik, Biologie und Chemie. Das Thema (und, bestenfalls: das Inhaltsverzeichnis) sollte mit dem betreuenden Fachlehrer abgesprochen werden; und dann geht’s los. Umberto Ecos kleines Buch “Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt” ist zwar eigentlich für Oberschüler etwas zu detailliert; aber die Mühe der Lektüre – und der Anwendung – wird von geschmeichelten Lehrern
vielfach belohnt. Verschiedene andere Bücher beschäftigen sich speziell mit schulischen Facharbeiten in Deutschland. Wenigstens eines sollte man gelesen haben. Lerne richtig zitieren etc. Denn bei der Facharbeit kommt es nicht zuletzt auch auf die korrekte Form an.
Sind Thema, Fach und betreuender Lehrer gefunden, kann die eigentliche Arbeit beginnen. Eine Facharbeit sollte innerhalb von 12 Wochen verfasst werden. Das ist reichlich; besonders, wenn man sich im Voraus über den Umfang der anstehenden Lektüre informiert – und vielleicht sogar damit begonnen – hat. Es ist wichtig, während des Lesens und Notizensammelns das Thema der Arbeit nicht aus den Augen zu verlieren. Eine Facharbeit ist keine Diplom- oder Magisterarbeit – ausufernde Anhänge und Exkurse sind nicht notwendig! Angesichts mancher Themen – besonders in Geschichte und Deutsch – ist es wichtig, konzentriert und zielorientiert zu arbeiten, um nicht vom Hundertsten ins Tausendste zu gelangen.
Die Unterstützung der Lehrer ist unterschiedlich. Manche meinen, es reiche, wenn sie die Arbeit nach zwölf Wochen abnehmen, durchsehen und benoten. Andere stehen mit Rat und Tat zur Seite und bestehen auf regelmäßigen Treffen. Letztere sind natürlich die Besseren; schon allein, weil ein Schüler, der dergleichen noch nie schreiben musste, recht wenig Erfahrung mit dem wissenschaftlichen Arbeiten hat. Aber auch, wenn Du an einen anderen Typ gerätst: Nicht aufgeben! Wie gesagt, lohnt die Facharbeit in jedem Fall; und spätestens auf Deinem Abiturzeugnis macht sich ihr Einfluss deutlich bemerkbar.