In vierzig Städten wurde heute demonstriert. Schüler gingen auf die Straßen mit wütenden Parolen. Die Schulpolitik lässt zu wünschen übrig – das wissen wir alle. Aber jetzt sind sogar die Schüler selbst wütend und ungehalten.
,,Bildungsblockaden einreißen!” war das Motto der Aktion, die von ,,schulaction” ins Leben gerufen wurde. Das Schülerbündnis rief die Jugendlichen dazu auf, den Unterricht heute zu schwänzen und stattdessen auf den Straßen nach mehr Bildungsgerechtigkeit zu verlangen.
Als ob man einem Verdurstenden Wasser gibt, strömten die jungen Menschen aus den Klassenzimmern. weiterlesen »
Noch vor der Einschulung überlegen Eltern, was das Beste für ihr Kind wäre: Vorschule, um schon mal ein bisschen Wissen zu fundieren? Oder das Kind noch eine Weile Kind sein lassen?
Diese Frage ist müßig und daher widmeten sich einige Wissenschaftler diesem ,,Problem” und fanden heraus: Nur vordergründig ergibt es einen Vorteil, wenn das Kind eine Vorschule besucht. In den ersten drei Jahren schneidet das Kind in der Grundschule besser ab, aber danach dreht sich der Spieß um: Kinder, die nur halbtags Unterricht haben, die schneiden ab der dritten Klasse deutlich besser ab.
Seltsam? Keineswegs. Die Forscher erklären es sich mit der Tatsache, dass deren Eltern einfach mehr Zeit für ihre Kinder haben und ihnen das Wissen selber beibringen. Durch das Familienklima wird der Nachwuchs sehr viel mehr gefördert, entwickelt sich also noch weiter, als das Vorschulkind. Was zur Folge hat, dass das Kind in den ersten Jahren in der Schule sitzt und sich langweilig, also schlichtweg unterfordert ist.
Mich wundert´s nicht. Ich hatte beides: Einen Papa mit viel Zeit und Vorschule. In der Schule habe ich ein paar Brocken lesen im Bilderbuch gelernt und Playmobil gespielt und bei meinem Vater schon erste Grundgerüste der Mathematik einverleibt bekommen. Eltern gehen auf ihr Kind natürlich intensiver und aufopferungsvoller ein, als Sozialpädagogen, die eine zwanzigköpfige Massenabfertigung hinlegen müssen. Aber es ist natürlich ganz klar, dass die Zeit mit den Eltern konstruktiver sein muss, als die, die man ohne sie verbringt. Liegt ja schon in der Natur der Sache.
Wer zur Schule geht, der – geht – ja auch zur Schule. Und genau das ist oft ein Problem: der Schulweg.
Viele Eltern bangen oft zu der anfänglichen Schulzeit um ihr Kind. Die Schule ist eigentlich nur ein fünfminütiger Fußmarsch entfernt, aber diese paar Meter erscheinen plötzlich wie eine lebensgefährliche Weltreise. Oft endet es damit, dass Eltern ihre Kinder jahrelang selbst zur Schule bringen und ihnen somit ihre Selbstständigkeit vorenthalten. weiterlesen »
Unsere Gesellschaft wird immer durchsichtiger, der Mensch immer mehr eine Nummer in verschiedenen Datenbanken. Alles wird festgehalten, die Freiheit immer mehr beschränkt. Schon länger rebelliert eine Gesellschaft, die sich immer weiter in eine Ecke gedrängt fühlt.
So passiert das jetzt auch in den Schulen. Eine landesweite Datenbank in Bayern soll den schulischen Werdegang eines jeden jungen Menschen dokumentieren – und zugänglich machen. Damit soll beispielsweise die Schulpflicht kontrolliert werden. Und eventuelle Schulwechsel erleichtert.
Eine Verfassungsklage wird eingereicht. weiterlesen »
Passt ja super zum Thema ,,Generation Praktikum”: Auch in den Ausbildungsbestrieben herrscht oftmals Unmut.
Auszubildende sind unzufriedener geworden, so eine Studie. Denn zu oft nutzt der Chef die Azubis für private Belange – Kaffee kochen, einkaufen gehen oder putzen, der junge Mensch soll sich für nichts zu schade sein.
Und die kleinen Putzteufel fühlen sich ausgenutzt, haben das Gefühl, nichts wirklich zu lernen und dem Traumjob noch weiter ferner als vorher zu sein.
Ausbildungsjahre sind keine Herrenjahre! Würden sich jetzt sicherlich viele ereifern. Und prinzipiell sehe ich das ganz genauso. Aber trotzdem sollten permanente Überstunden und Werkstatt putzen anstatt Autos reparieren nicht höchste Priorität besitzen. Dass man mal das Lager aufräumt und auch mal den eingetrockneten Kaffeebecher abwäscht, das ist ganz normal. Und eine Selbstverständlichkeit.
Aber wer am Ende seiner Ausbildung das Gefühl hat, nicht auszureichend ausgebildet worden zu sein und sogar Angst hat, sich anderswo zu bewerben, der hat ein echtes Problem!
Da sich jetzt vermehrt beschwert wurde, soll sich genau dies jetzt ändern, die Betriebe ernsthafter überprüft werden. Da ist von unangekündigten Kontrollbesuchen die Rede und von mehr Personal für geau diesen ,,Posten”.
Und die Betriebe sollen stärker motiviert werden, ihre Schützlinge zumindest bis zu einem halben Jahr zu übernehmen, da sich dies in einer Bewerbung besser mache. Denn es ist immer schöner, sich aus einem bestehenden Verhältnis her zu bewerben, als ,,arbeitslos” auf seinem Blatt vermerkt zu sehen.
Ich finde es nur gut, wenn Azubis sich beschweren! Denn mit der Einwilligung, auszubilden, geht ein Arbeitgeber immer auch eine große Verantwortung ein – er hat quasi die berufliche Zukunft seines Angestellten in der Hand und kann diese formen. Umso unmöglicher finde ich es, wenn diese Formbarkeit schamlos und egoistisch ausgenutzt wird. Er sieht quasi eine billige Hilfskraft in dem Menschen, der voller Hoffnung und Träume für die Zukunft in einen Betrieb spaziert – und enttäuscht wird.
,,Recht auf Hauptschulabschluss” – dieses vielleicht in Kraft tretende Gesetz könnte für viele eine zweite Chance bedeuten.
Auch ich habe gern einmal den öden Wahlpflichtkurs gegen eine Stunde in der Eisdiele ,,eingetauscht” – viele Stunden habe ich dort mit meiner besten Freundin quatschend und Eiskaffee trinkend verbracht, natürlich wurde ich dabei auch mal erwischt, aber im Großen und Ganzen kann wohl jeder seine kleine Pointe zum Thema ,,Schule schwänzen” beitragen.
Doch so harmlos ist dieses Thema leider nicht. Ich habe damals nicht meinen Abschluss riskiert, sondern für mich waren das eher kleine pupertärende Nervenkitzelabenteuer. Aber ein Bekannter damals schwänzte beispielsweise ein ganzes halbes Jahr aus purer Gleichgültigkeit die Schule! Er schaffte seinen Abschluss natürlich nicht, was er heute bitterlich bereut.
Insbesondere in der Pupertät verfällt ein Jugendlicher schnell mal in die ,,Mir-doch-egal”-Schiene und kann von diesen Vergleisungen nicht mehr so schnell abweichen. Morgens klingelt der Wecker und er bleibt einfach liegen, wenn sich ohnehin niemand richtig kümmert. Keine Frage, dass diese Problematik besonders diejenigen Familien trifft, die eher lose Wohngemeinschaften bilden und dem Familiending eher eine leere Worthülse zusprechen.
Doch was dem Fünfzehnjährigen egal ist, kann in fünf Jahren ganz anders aussehen. Zwanzig Jahre alt und aus der Pupertät erwachend, schüttelt er sich ein wenig und stellt fest: Keine Perspektive und die Gleise führen nur in Richtung gesellschaftliches Abstellgleis. Das Arbeitsamt lotst einen von einem miesen Ein-Euro-Job zum nächsten und der Frust wird immer größer, bis er schließlich kaum auszuhalten mit etlichen Bierdosen betäubt wird. Ich weiß, ich weiß, ich treibe es mit meinen Provokationen heute mal wieder bis an die Spitze
, aber es ist nunmal einfach ein Problem. Und diesen Menschen muss geholfen werden!
Daher jetzt die Idee mit dem Rechtsanspruch auf den Hauptschulabschluss. Womit nicht der Wisch an sich gemeint ist, sondern die absolut gewährleistete Unterstützung auf dem Weg zum Absolvieren des Abschlusses. Das Grundgerüst des Gedanken finde ich super, sollte jedoch noch ein wenig ,,ausgetüftelt” werden, denn: Auch ein Hauptschulabschluss führt heutzutage leider nicht mehr zum Ausbildungsbetrieb. Meistens wollen die nämlich lieber den Realschulabsolventen haben, ganz einfach aus dem Grund, dass unsere Hauptschulen einen ganz miesen Ruf haben, dem man zu allererst entgegen arbeiten sollte.
Das neue Recht wäre also nur der Versuch, das Pferd von hinten aufzusatteln, denn wenn die Perspektiven eines Hauptschülers erst einmal besser sind, so würde sich das Schulschwänzproblem auch viel eher erübrigen. Und um dieses Problem in den Griff zu bekommen, bietet sich die Struktur der Gesamtschule an, die ja auch immer weiter in Deutschland um sich greift.
Ein sehr komplexes Thema also, wie ich finde, und immer wieder diskussionswürdig
.
Minderjährig und schwanger. Eine Hiobsbotschaft für viele Mädchen und Eltern.
Sechzehn Jahre alt, da war die coole Party und der Typ, in den man schon so lange verknallt gewesen ist. Und dann ist es endlich soweit! Im hektischen Gewühle vergisst man dann schnell mal die wichtigste Kleinigkeit: Die Verhütung. Und das kann dann logischerweise weitreichende Konsequenzen haben. weiterlesen »
,,Generation Praktikum” ist mittlerweile jedem Studenten ein geläufiger Begriff.
Die heiligen Praktika – hoch gelobt, ohne geht einfach mal gar nichts mehr. Jeder sollte nicht nur eines gemacht, sondern jeder sollte sich auch darum gerissen haben. Jeder Student sollte auf Knien rutschend seinem Chef für den kostbaren Platz dankbar sein. weiterlesen »
Heute möchte ich weiteres Sonder-Schulmodell vorstellen: Die Europäische Schule.
Nicht zu verwechseln mit der Europaschule, ist die Europäische Schule eine Instutition primär für die Kinder des Personals für Europäische Gemeinschaften. Doch in jeder Europäischen Schule existiert auch ein begrenztes Kontigent für “normale” Schüler.
Warum also schickt man seine Kinder auf eine Europäische Schule?
Zunächst heißt die Schule nicht aus Spaß “europäisch”. Die Klassen sind in bis zu 15 Sprachsektionen aufgeteilt. Jedes Kind beginnt seine Schullaufbahn idealerweise dort, wo die Schulbücher in seiner Muttersprache ausliegen. In den höheren Schulabteilungen werden die Klassen dann gemischt und es kommen Fremdsprachen hinzu. So ist eine Atmosphäre sowohl kultureller als auch geistiger Begegnung gewährleistet.
Bis zum europäischen Abitur ist es für die Schüler möglich, bis zu fünf Fremdsprachen zu lernen. Wer ein europäisches Abitur besitzt, der kann sich an allen Hochschulen Europas so bewerben, als hätte er den Abschluss im jeweiligen Land gemacht. Dabei ist das Kind von der 1. bis zur 12. Klasse sozusagen auf “europäisch” geschult worden. Aufgrund der hohen Reputation dieser Schulen ist es für die Abiturienten oft leichter, sich im anschließenden Leben zurechtzufinden.
Was klingt wie das Märchen von der idealen Schule aus Kinderbüchern, kann man auch kritisch betrachten als eine Form von Privileg für Besserverdienende.
Schließlich sind auf eine Europaschule meistens Kinder von Diplomaten zu finden. Kinder, deren Eltern keine Anstellung in der Europäischen Gemeinschaft haben, haben es zuerst einmal schwer, an dieser Sorte Schule angenommen zu werden. Die nächste Hürde ist das Schulgeld. Dieses kann zwar zu 30 % als Sonderausgabe abgeschrieben werden, es gewährleistet aber trotzdem, dass zunächst nur Kinder wohlhabender Eltern auf die Schule kommen. Soweit ich weiß, ist es an vielen Europäischen Schulen möglich, ein Stipendium zu ergattern.
Somit ist eine Europäische Schule ein tolles Modell für die, die entweder viel Geld besitzen, für die Europäische Gemeinschaft arbeiten, oder deren Kinder überdurchschnittlich begabt sind.
Das Konzept an sich ist sowieso bemerkenswert: Würden andere Schulen dieses aufnehmen, würde der Weg für ein geeintes Europa auch bildungstechnisch bereitet.
Begabte Berufstätige, die kein Abitur absolviert haben, sollen jetzt die Möglichkeit bekommen, ihre Karriere vorwärts zu treiben.
Damit auch talentierte Menschen ohne Abitur eine akademische Vollausbildung machen können, soll jetzt das sogenannte ,,Aufstiegsstipendium” vergeben werden, welches auch Meistern und Fachkräften ermöglichen soll, die letzte Karriere-Hürde zu
erklimmen. weiterlesen »