Heftig wird darüber diskutiert, ob es nicht sinnvoll wäre, die Hauptschule in ihrer jetzigen Daseinsform abzuschaffen – diese Idee findet immer mehr begeisterte Anhänger.
Schon mit der Einführung der Gesamtschule kam die allgemeine Überlegung auf, inwiefern die Hauptschulen noch ihren Sinn erfüllen. weiterlesen »
Die neuen Gesetzesänderungen der Hauptstadt und der Hansestadt sehen vor, dass das Sitzenbleiben in deutschen Schulen entfällt. Dabei möchte die Koalition in Berlin sogar die Noten bis zur 8 Klasse abschaffen.
Der Grund, so dieser Artikel, seien erwartete Kosteneinsparungen von bis zu 50 Millionen Euro, die jährlich durch die Sitzenbleiber anfielen.
Bildungspolitik aufgrund von Kosteneinsparungen – das gefällt mir überhaupt nicht. Es ist bisher ziemlich selten der Fall gewesen, dass das Sparen an der Bildung wirklich etwas gebracht hat außer halbgaren Konzepten, denen in der praktischen Umsetzung wichtiges gefehlt hat.
Bringt das Abschaffen von Noten die Kinder wirklich weiter? Ich glaube ehrlich gesagt nicht. Noten sind schon immer ein Ansporn gewesen, vielleicht sollte man die Benotung an sich etwas einfacher gestalten, damit auch schwächere Kinder ein Erfolgserlebnis haben. Und das Abschaffen des Sitzenbleibens? Das gefällt mir spontan schon eher, weil ich es ehrlich gesagt unfair finde, dass ein Schüler für ein schwaches Jahr dermaßen hart bestraft werden kann.
Allgemein gesehen sind Noten und Sitzenbleiben jedoch gewichtige Bestandteile des jetzigen Schulsystems. Meiner Meinung nach zerstören diese Versuche, am System herumzufeilen jegliche noch vorhandene Integrität. Man sollte vielmehr gleich eine Reform des Bildungssystems durchführen, anstatt solche Änderungen vorzunehmen, weil dann wenigstens eine Ganzheit gegeben wäre.
Auf diese Weise zerfällt das Schulsystem in Deutschland immer mehr in Einzelteile, die über kurz oder lang nicht mehr zueinander passen wollen.
Dieser sehr interessante Artikel erschien am 11.04.2008 im Tagesspiegel. Es geht darin um die Differenz zwischen der Leistung der Kinder an deutschen Grundschulen und dem, was 15jährige nach dem Aufteilungsschritt zum Grundschulende zu leisten im Stande sind.
Bewegt sich Deutschland bei den jüngeren Schülern im europäischen Spitzenbereich, so sackten die Vergleichswerte bei Betrachtung der älteren Schüler schnell in katastrophale Regionen ab. Der Tagesspiegel nennt als Grund das deutsche Schulsystem und Mängel in der Unterrichtsgestaltung. Konkret sei das Schulsystem viel zu differenziert und es sei eine Reform notwendig, die weniger verschiedene Schulen hinterlasse. Außerdem sei innerhalb der einzelnen Schulen eine höhere Differenzierung zwischen “guten” und “schlechten” Schülern notwendig, die dann nicht nach Klassen, sondern nach Leistung unterrichtet werden sollen.
Wie ich finde, ist das ein wirklich wichtiger Punkt, was das deutsche Bildungssysstem angeht. Wir haben im Moment eine Grundschule, der die Aufteilung in Sonderschule, Hauptschule, Realschule, Gymnasium oder Gesamtschule folgt. Dabei ist zumindest die Trennung zwischen Haupt- und Realschule meiner Meinung nach vollkommen sinnfrei.
Wer heutzutage Hauptschüler ist, kann sich die Aussichten auf eine Ausbildung schenken und wird meistens von vollkommen überforderten Lehrkräften unterrichtet. Das Gymnasium ist in seiner früheren Exklusivität so schon lange nicht mehr vorhanden. Wo leere Klassenzimmer zunehmend Realität werden, ist eine Zusammenlegung außerdem ökonomisch sinnvoll.
Eine Zusammenlegung der einzelnen Schulen ist nur auf den ersten Blick unmöglich. Würde nämlich auf den Schulen nach Leistung unterrichtet, und so nicht dem überkommenen Hierarchie-Gedanken (“du lernst wenig, dir bringen wir nichts bei!”) gefröhnt, dann würde nicht eine Hälfte der deutschen Jugend bei der Schulbildung unter den Tisch fallen. Gleichzeitig wäre ein Exzellenz-Unterricht mit Hochbegabten möglich.
Damit das so durchführbar wäre, müsste man den Lehrern, die sich mit anstrengenden Schülern auseinandersetzen, genausoviel oder sogar mehr bezahlen. Wer will denn im Moment mit den Kindern arbeiten, die Mathe nicht sofort verstehen, aber gleichzeitig rotzfrech sind? Ohne Anreize wird das nichts. Außerdem wären Fortbildungsprogramme für die existierende Lehrerschaft notwendig, weil die teilweise nicht mal mehr ungenügende Qualifikationen im Umgang mit Jugendlichen aufweist.
Klar, dass die Politik diese Ausgaben und den damit verbundenen Trubel scheut, lieber wird weiterhin in alten Bahnen vor sich hingepaukt, ohne dass irgendwelche Verbesserungen in Sicht wären.
Deutschland leidet seit einiger Zeit unter einem neuen Phänomen: Dem Turbo-Abi. Dabei wurde die Abiturzeit auf 8 Jahre gekürzt. Das G8 oder „Turbo- Abi“- Konzept klang in der Theorie auch durchaus plausibel.
Da die Ausbildungszeiten immer länger werden, macht es Sinn, die Gymnasialzeit um ein Jahr zu verkürzen. Kombiniert mit einem entrümpelten Schulsystem, in dem bestimmte Lehrinhalte wegfielen oder gekürzt würden, bliebe den Abiturienten ein Jahr mehr Zeit, sich die Weichen für den weiteren Lebensweg zu stellen.
Natürlich stellt sich beim Thema „Entrümpelung“ die wichtige Frage: Wie soll man den Lehrplan straffen? Vor dieser Frage hat sich die Kultusministerkonferenz schlichtweg gedrückt. Gestrafft wurde überhaupt nichts, der Lehrplan mit allen bisher vorhandenen Inhalten einfach in 8 statt bisher 9 Jahre gequetscht. Schüler, Eltern und Lehrer beklagen einstimmig die harten Schulbedingungen, es ist die Rede von 50-Stunden-Wochen für Schüler, die neben den vorgeschriebenen Unterrichtsstunden noch Hausaufgaben absolvieren. Ein Schulleiter plant sogar ein kollektives Sitzenbleiben, um auf die Problematik aufmerksam zu machen.
Es ist eine Schande, dass sich da niemand gewehrt hat, sondern im Zeichen des Fortschrittes und aus Angst vor der neuen Pisastudie blind reformiert wurde. Ja, hinterher ist man immer schlauer. Aber man fragt sich doch, warum den Reformern die simple Rechnung „Mehr Stoff, weniger Zeit, zuviel Stress für die Kinder?“ nicht in den Sinn gekommen ist? Hier sind offensichtlich aus Angst vor Konflikten beide Augen zugedrückt worden, die Umsetzung des Konzeptes verdient in keinem Fall Bestnoten.
Zwar sieht das die Kultusministerkonferenz jetzt ebenfalls ein, es wird an vielen Stellen nachreformiert – eine Verbesserung der Lage für die Schüler ist trotzdem nicht in Sicht.
Das durch die PISA-Studien in die Kritik geratene deutsche Bildungssystem soll mit rasanten Reformen wieder auf ein höheres Niveau gebracht. Die Kultusminister der Länder haben deshalb beschlossen, das Abitur bereits nach zwölf Schuljahren zu vergeben.
Hintergrund der neuen zeitlichen Begrenzung ist das hohe Eintrittsalter der Studenten und Auszubildenden im internationalen Vergleich. In anderen Ländern Europas sind Jugendliche wesentlich schneller für die Berufswelt gerüstet und leisten einen aktiven Beitrag zur Wirtschaft des Landes. Die Reform sieht vor, dass nach einer vierjährigen Grundschulzeit der Übertritt in die neue Schulform geschehen soll. Dadurch muss der gesamte Lehrstoff für das Abitur statt wie bisher in neun nun in acht Jahren vermittelt werden. Die Stundenanzahl erhöht sich auf dem Gymnasium durchschnittlich auf 35 Stunden. Nimmt man noch das Lernen und die Hausaufgaben hinzu, muss sich ein Schüler rund 45 bis 50 Stunden wöchentlich mit dem Lehrstoff auseinandersetzen.
Neben der erhöhten Drucksituation schwindet auch die Freizeit der kommenden Bildungselite in Deutschland. Dabei benötigen gerade junge Menschen einen alternativen Ausgleich zur Schule in Form von Sport und gemeinsamen Aktivitäten. Wie bereits Wissenschaftler nachgewiesen haben, tragen Sport oder Arbeitsgemeinschaften jeder Art dazu bei, dass sich das Kind in einer Gemeinschaft integrieren kann, dass es soziale Kontakte und Hilfestellungen im alltäglichen Umgang erhält. Sind diese Freizeitaktivitäten nicht vorhanden, hat der Schüler vielleicht den Lehrstoff vermittelt bekommen, kann in aber im Studium oder in Ausbildung nicht zur Anwendung bringen, weil er isoliert von der Gruppe agiert.
Bei der Reform wurde es weiterhin versäumt die ohnehin schon aufgeblähten Lehrpläne zu sondieren und auf ihre Inhalte zu prüfen. Zwar hatte Bildungsministerin Anette Schavan (CDU) angekündigt, auf keine notwendigen Lehrinhalte zu verzichten, aber eine Anpassung des Lehrstoffes ist notwendig, um den Schüler eine umfassende Bildung zu ermöglichen. Die Fächervielfalt in den unteren Klassen führt außerdem dazu, dass Schüler täglich kiloweise Bücher transportieren müssen. Eine Interessensorientierung oder eine Spezifizierung der Schulen kann den Schüler eine bessere Orientierung bieten, Schwerpunkte setzen ohne die Gesamtheit aus den Augen zu verlieren. Bei der Reform wurde wieder einmal das Pferd von hinten gezäumt und nicht die eigentliche Problematik angegangen.